Autorin
Regina Wesche
Geschäftsführerin
Alte Häuser haben ihren Charme. Was hinter den Wänden steckt, ist dagegen oft eine andere Geschichte. Viele Altbauten wurden in Jahrzehnten errichtet, in denen Steckdosen selten, Leitungsquerschnitte knapp und Schutzmaßnahmen kaum vorhanden waren. Wer heute einen Altbau bewohnt, saniert oder kauft, stößt häufig auf Elektroinstallationen, die schlicht nicht mehr für den heutigen Alltag gemacht sind. Mehrere Bildschirme, Waschmaschine, Trockner, Induktionsherd, Wallbox: Die Anforderungen an eine moderne Elektroinstallation sind deutlich gestiegen. Dieser Artikel erklärt, woran Sie eine veraltete Elektroinstallation erkennen, was eine Erneuerung umfasst, worauf es bei der Planung ankommt und was sinnvolle Schritte für Ihren Altbau sind.
Woran erkennen Sie, dass die Elektroinstallation eines Altbaus erneuert werden sollte?
Nicht jede alte Elektroinstallation ist automatisch gefährlich. Aber bestimmte Merkmale sind echte Warnsignale.
Schauen Sie zuerst in den Sicherungskasten. Wenn Sie dort noch Schraubsicherungen finden (sogenannte Schmelzsicherungen in runder Form), keinen FI-Schutzschalter und keine modernen Leitungsschutzschalter, dann stammt die Anlage aus einer Zeit, in der die geltenden Anforderungen an Schutzmaßnahmen noch deutlich geringer waren. Ein fehlender FI-Schutzschalter (auch RCD genannt) bedeutet, dass bei einem Körperschluss, also wenn Strom durch den menschlichen Körper fließt, keine zuverlässige automatische Abschaltung erfolgt.
Ebenfalls ein klares Zeichen: Steckdosen ohne Schutzkontakt. Diese sogenannten Zweipolsteckdosen ohne Erdung sind heute in Neuinstallationen nicht mehr erlaubt und in vielen Bereichen ein Sicherheitsproblem.
Typische Merkmale einer erneuerungsbedürftigen Elektroinstallation
Knüppelförmige Stecker, brüchige Kabelmäntel, Leitungen in alten Metallrohren oder Feuchtrauminstallationen, die keinen zeitgemäßen Schutz bieten, sind weitere Hinweise. Manchmal ist es auch schlicht die Anzahl der Steckdosen: Wenn in einem Zimmer nur eine einzige Steckdose vorhanden ist und der Rest über Verlängerungskabel und Steckdosenleisten läuft, dann wurde die Anlage nicht für heutige Nutzungsgewohnheiten ausgelegt.
Auch folgende Punkte sollten Sie ernst nehmen:
Flimmern oder Schwanken von Licht ohne erkennbaren Grund, häufiges Auslösen von Sicherungen, Verfärbungen oder Wärmeentwicklung an Steckdosen und Schaltern sowie ein modrig-angebrannter Geruch aus dem Verteilerkasten. Das sind keine Lappalien. Dahinter können Kontaktprobleme, überlastete Leitungen oder fehlerhafte Verbindungen stecken.
Was umfasst eine vollständige Erneuerung der Elektroinstallation im Altbau?
Eine Erneuerung der Elektroinstallation ist kein Einheitsprojekt. Umfang und Aufwand hängen davon ab, was bereits vorhanden ist, was der Altbau künftig leisten soll und wie die bauliche Situation ist.
Im Kern geht es darum, alle Leitungen, Sicherungen, Verteiler und Verbraucheranschlüsse so zu modernisieren, dass sie den geltenden Normen entsprechen und den heutigen Leistungsanforderungen standhalten. Das bedeutet in vielen Fällen: neue Leitungen, neuer Unterverteilerschrank, Einbau eines FI-Schutzschalters und moderner Leitungsschutzschalter, ausreichend dimensionierte Stromkreise für Küche, Bad, Heizung und Arbeitszimmer sowie separate Absicherungen für leistungsstarke Verbraucher.
Sicherungskasten modernisieren: Was dabei wirklich geprüft und erneuert wird
Der Sicherungskasten ist das Herzstück der Elektroinstallation. Bei einer Modernisierung wird nicht einfach ein altes Gerät gegen ein neues getauscht. Es geht darum, die gesamte Aufteilung der Stromkreise zu überdenken. Welche Räume und Verbraucher hängen an welchem Stromkreis? Sind Küchengeräte und Badezimmer separat abgesichert? Gibt es ausreichende Reserve für eine spätere Wallbox oder Photovoltaikanlage?
Ein moderner Verteiler enthält FI-Schutzschalter (möglichst mehrere, aufgeteilt auf verschiedene Gruppen), Leitungsschutzschalter für jeden einzelnen Stromkreis sowie Überspannungsschutz. Letzterer ist heute bei Neuinstallationen normativ gefordert und schützt empfindliche Geräte vor Spannungsspitzen.
Wir empfehlen bei jeder Modernisierung des Sicherungskastens auch die gleichzeitige Prüfung der angeschlossenen Leitungen. Was nützt ein neuer Verteiler, wenn die alten Leitungen dahinter den erhöhten Anforderungen nicht gewachsen sind?
Was bei der Planung einer Elektrosanierung im Altbau häufig unterschätzt wird
Ein Fehler, den wir immer wieder beobachten: Die Elektrosanierung wird zu spät in die Gesamtplanung einer Renovierung einbezogen. Wände sind bereits neu verputzt, Böden verlegt, Fliesen gesetzt. Dann stellt sich heraus, dass zusätzliche Leitungen gezogen werden müssten, oder dass der Leitungsweg durch neue Bauteile blockiert ist. Das kostet Zeit und Geld.
Idealerweise stimmen Sie Elektroarbeiten und Baumaßnahmen von Anfang an aufeinander ab. Leitungen werden gezogen, bevor verputzt wird. Installationsdosen werden gesetzt, bevor Böden verlegt werden. Wer das in der richtigen Reihenfolge angeht, spart sich deutlich aufwändigere Nacharbeiten.
Ein weiterer Punkt, der häufig vergessen wird: der Hausanschluss. Wenn ein Altbau bisher mit einem veralteten Zählerplatz und einem unterdimensionierten Hausanschluss ausgestattet ist, kann das die Grundlage für eine spätere Photovoltaikanlage, eine Wallbox für Elektrofahrzeuge oder eine Wärmepumpe einschränken. Diese Themen sollten bei der Planung mitgedacht werden, auch wenn die entsprechenden Geräte noch nicht angeschafft wurden.
Und noch etwas: Viele Eigentümer wissen gar nicht, in welchem Zustand ihre Elektroinstallation tatsächlich ist. Gerade bei älteren Häusern, die in den letzten Jahrzehnten mehrfach die Eigentümer gewechselt haben, fehlt oft jegliche Dokumentation. Eine fachkundige Bestandsaufnahme vor Beginn der eigentlichen Arbeiten ist daher kein Luxus, sondern sinnvoller Ausgangspunkt.
Welche Schutzmaßnahmen und Prüfungen nach einer Elektrosanierung sinnvoll sind
Nach einer Erneuerung der Elektroinstallation ist eine Prüfung der gesamten Anlage ein logischer Schritt. Das gilt nicht nur für gewerbliche Objekte, wo solche Prüfungen ohnehin vorgeschrieben sind, sondern auch für Privathaushalte.
Eine DGUV V3 Prüfung und der sogenannte E-Check prüfen systematisch, ob die Installation korrekt ausgeführt wurde, ob Schutzmaßnahmen wirken und ob Isolationswiderstände, Erdung und Schutzleiter den normativen Anforderungen entsprechen. Das Ergebnis ist eine Dokumentation, die im Schadensfall gegenüber Versicherungen und Behörden belastbar ist.
Für Vermieter und Hausverwaltungen kommt ein weiterer Aspekt hinzu: Eine dokumentierte, geprüfte Elektroinstallation ist ein klares Argument für den ordnungsgemäßen Zustand eines Gebäudes, gerade wenn es um Mieterhaftung, Versicherungsfragen oder Nachweise gegenüber Behörden geht.
Wer außerdem plant, Rauchwarnmelder fachgerecht zu installieren, sollte das mit der Elektrosanierung kombinieren. Vernetzte Rauchwarnmelder lassen sich direkt in die erneuerte Elektroinstallation einbinden und bieten deutlich mehr Zuverlässigkeit als batteriebetriebene Einzellösungen.
Fazit: Elektroinstallation im Altbau erneuern lohnt sich, aber mit Planung
Eine veraltete Elektroinstallation im Altbau ist kein rein ästhetisches Problem. Es geht um Sicherheit, um Leistungsfähigkeit und darum, ob Ihr Gebäude für die nächsten Jahrzehnte gut aufgestellt ist. Wer saniert, sollte die Elektrik konsequent mitdenken und nicht als lästigen Nachklang behandeln.
Arbeiten an der Elektroinstallation dürfen ausschließlich von einer qualifizierten Elektrofachkraft durchgeführt werden. Das ist keine Frage der Empfehlung, sondern der Sicherheit und der geltenden Normen.
Wenn Sie unsicher sind, ob Ihre Elektroinstallation noch den heutigen Anforderungen entspricht, oder wenn Sie eine Altbausanierung planen, schaffen wir zunächst Klarheit über den Ist-Zustand und entwickeln gemeinsam mit Ihnen eine sinnvolle Lösung.
Sie planen eine Elektrosanierung im Altbau oder möchten Ihre bestehende Installation prüfen lassen? Nehmen Sie jetzt Kontakt mit der Elektro-Service-Hannover.de GmbH auf: https://www.elektro‒service‒hannover.de/
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