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Wallbox 22 kW: Wann macht die größere Leistung wirklich Sinn?

Autorin Regina Wesche Geschäftsführerin
Wer eine Wallbox kaufen möchte, stößt früh auf diese Frage: 11 kW oder gleich 22 kW? Die 22-kW-Variante klingt nach mehr Leistung, mehr Zukunftssicherheit, mehr Komfort. Aber ob sie in Ihrer konkreten Situation tatsächlich sinnvoll ist, hängt von einigen Faktoren ab, die viele beim Kauf unterschätzen. Dieser Artikel hilft Ihnen, die richtige Entscheidung zu treffen, bevor Sie investieren.

Was eine 22-kW-Wallbox technisch bedeutet und wo die Grenzen liegen

Eine Wallbox mit 22 kW lädt mit Wechselstrom (AC), dreiphasig, mit maximal 32 Ampere pro Phase. Das klingt beeindruckend, und in der Theorie können Sie damit ein Fahrzeug mit großer Batterie in wenigen Stunden vollständig laden. In der Praxis gibt es aber zwei entscheidende Einschränkungen, die den tatsächlichen Nutzen stark begrenzen.

Das Fahrzeug entscheidet, nicht die Wallbox

Das Onboard-Ladegerät des Fahrzeugs bestimmt, wie schnell tatsächlich geladen wird. Viele Elektroautos akzeptieren über AC maximal 11 kW, manche nur 7,4 kW oder sogar weniger. Ein Fahrzeug, das konstruktionsbedingt bei 11 kW begrenzt ist, lädt an einer 22-kW-Wallbox genauso schnell wie an einer 11-kW-Wallbox. Die größere Ladestation bringt in diesem Fall schlicht keinen messbaren Vorteil.
Prüfen Sie deshalb zuerst das Datenblatt Ihres Fahrzeugs. Erst wenn Ihr Auto tatsächlich 22 kW AC-Laden unterstützt, also mit einem entsprechenden Onboard-Ladegerät ausgestattet ist, kann die stärkere Wallbox ihre Leistung überhaupt abrufen. Fahrzeuge, die das aktuell unterstützen, sind noch vergleichsweise selten. Renault Zoe war lange ein bekanntes Beispiel, der Markt entwickelt sich aber laufend weiter.

Netzanschluss und Hausinstallation als entscheidende Hürde

Selbst wenn Ihr Fahrzeug 22 kW verarbeiten kann, stellt sich die nächste Frage: Gibt Ihr Hausanschluss das überhaupt her? Ein typischer Hausanschluss ist auf 35 oder 63 Ampere pro Phase ausgelegt. Wenn Sie gleichzeitig Herd, Waschmaschine und Wallbox betreiben, kann es schnell eng werden. Eine 22-kW-Wallbox zieht bis zu 32 Ampere pro Phase, was in vielen Bestandsgebäuden zu einer dauerhaften Überlastung führen würde.
Hinzu kommt: Für eine 22-kW-Wallbox ist in Deutschland eine Anmeldung beim Netzbetreiber Pflicht, und der muss zustimmen. Bei 11 kW ist das Verfahren in der Regel unkomplizierter. Bei 22 kW kann der Netzbetreiber den Anschluss ablehnen oder Auflagen machen, zum Beispiel ein Lastmanagementsystem vorschreiben. Das verlängert und verteuert das Projekt.

Wann eine Wallbox mit 22 kW tatsächlich Sinn macht

Es gibt Szenarien, in denen die 22-kW-Variante eine echte, begründete Entscheidung ist. Pauschal als Zukunftsinvestition zu kaufen, ist allerdings oft nicht der beste Weg.
Sinnvoll ist die größere Leistung, wenn Sie heute schon ein Fahrzeug besitzen, das 22 kW AC-Laden unterstützt, und Sie täglich hohe Kilometerleistungen zurücklegen, bei denen schnelles Nachladen über Nacht oder tagsüber wirklich relevant ist. Auch in gewerblichen Umgebungen, zum Beispiel bei Fuhrparks mit wechselnden Fahrzeugen oder kurzen Standzeiten, kann 22 kW die sinnvollere Wahl sein.
Ein weiterer Punkt: Wenn Ihr Gebäude bereits über einen leistungsfähigen Anschluss verfügt, die Leitungsquerschnitte passen und der Netzbetreiber zustimmt, sind die Mehrkosten für die stärkere Wallbox gegenüber einer 11-kW-Lösung oft überschaubar. In diesem Fall kann es durchaus Sinn ergeben, direkt mehr Kapazität einzuplanen.
Für die große Mehrheit der privaten Haushalte gilt aber: 11 kW reichen vollkommen aus. Ein Elektroauto mit 60 kWh Batterie ist damit in rund sechs Stunden vollgeladen. Das lässt sich bequem über Nacht erledigen, ohne dass Sie morgens auf eine volle Batterie verzichten müssten.

Was bei der Installation einer 22-kW-Wallbox technisch zu beachten ist

Unabhängig davon, ob Sie sich für 11 oder 22 kW entscheiden: Die Installation einer Wallbox ist kein Heimwerkerprojekt. Sie erfordert eine qualifizierte Elektrofachkraft, die die gesamte Integration in Ihre bestehende Elektroinstallation prüft und fachgerecht umsetzt.
Konkret bedeutet das: Die Zuleitung zur Wallbox muss für die jeweilige Leistung dimensioniert sein, also Leitungsquerschnitt, Sicherung und RCD (Fehlerstromschutzschalter) müssen passen. Bei einer 22-kW-Wallbox ist ein Typ-B-RCD oder ein Typ-A-RCD mit zusätzlichem DC-Fehlerstromschutz vorgeschrieben, je nach Hersteller und Modell. Das ist kein Detail, das man übersehen sollte, denn es geht direkt um den Schutz vor Bränden und Stromunfällen.
Außerdem sollte geprüft werden, ob der Zählerschrank den heutigen Anforderungen entspricht. Ältere Sicherungskästen ohne ausreichende Reserven stoßen bei der Integration einer Wallbox an Grenzen. In manchen Fällen ist vor der eigentlichen Wallbox-Installation eine Modernisierung der Elektroinstallation notwendig.
Ebenfalls relevant: Wenn Sie eine Photovoltaikanlage betreiben oder planen, lohnt es sich, Wallbox und PV-Anlage von Anfang an aufeinander abzustimmen. Überschussstrom direkt ins Fahrzeug zu laden ist eine sinnvolle Kombination, die aber eine sorgfältige Planung voraussetzt. Mehr dazu finden Sie auf unserer Seite zu Photovoltaik und Wallbox.

Welche typischen Fehler Käufer bei der Wallbox-Entscheidung machen

Der häufigste Fehler ist, die Entscheidung rein auf Basis der Wallbox-Spezifikation zu treffen, ohne vorher Fahrzeug, Hausanschluss und Netzbetreiber zu berücksichtigen. Das führt im schlimmsten Fall dazu, dass eine teure 22-kW-Wallbox installiert wird, die das Auto gar nicht mit mehr als 11 kW laden kann, und der Netzbetreiber zudem Auflagen stellt, die erhebliche Zusatzkosten erzeugen.
Ein weiterer klassischer Irrtum: die Annahme, dass eine höhere Wallbox-Leistung generell mehr Sicherheit für die Zukunft bietet. Das klingt logisch, ist aber nur bedingt richtig. Die Ladeinfrastruktur entwickelt sich weiter, aber ob zukünftige Fahrzeuge wirklich höhere AC-Ladeleistungen bieten werden oder ob DC-Schnellladen über öffentliche Infrastruktur die relevantere Größe wird, lässt sich heute nicht mit Sicherheit sagen.
Schließlich wird die Anmeldeformalität unterschätzt. Wallboxen bis 11 kW können in der Regel nach einfacher Anmeldung beim Netzbetreiber betrieben werden. Bei 22 kW ist eine Genehmigung erforderlich, die nicht automatisch erteilt wird. Wer das nicht einkalkuliert, riskiert Verzögerungen beim Projekt.
Eine gute Planung beginnt mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme: Welches Fahrzeug, welcher Hausanschluss, welche Nutzungsgewohnheiten? Erst dann ergibt die Wahl der Wallbox-Leistung wirklich Sinn.

Fazit: Welche Leistung passt zu welcher Situation?

Wenn Sie eine Wallbox planen und unsicher sind, welche Leistung für Ihre Situation passt, welche Anforderungen Ihr Hausanschluss mitbringt oder wie die Installation normgerecht umgesetzt wird, stehen wir von der Elektro-Service-Hannover.de GmbH Ihnen gern beratend zur Seite. Wir übernehmen Planung, Installation, Prüfung und die sichere Integration in Ihre bestehende Elektroinstallation, für Privatkunden und Gewerbetreibende in Hannover und Umgebung.
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